Holocaust Education
Der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno prägte den Begriff von der „Erziehung nach Auschwitz“ in seinem gleichnamigen Aufsatz. Dort formulierte er:
„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Es (...) war die Barbarei, gegen die alle Erziehung geht. (...) Da aber die Charaktere insgesamt ... nach den Kenntnissen der Tiefenpsychologie schon in der frühen Kindheit sich bilden, so hat Erziehung, welche die Wiederholung verhindern will, auf die frühe Kindheit sich zu konzentrieren.“ (Adorno 1969, S. 85) Die zentrale Aussage dieser Arbeit Adornos ist, dass der Schlüssel zur Verhinderung der Gräueltaten von Auschwitz in der frühkindlichen Bildung liegt. Und dies „begründen zu müssen hätte etwas Ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug.“ (Adorno 1969, 85).

Erziehung nach Auschwitz setze sich nach Adorno aus zwei Bereichen zusammen: aus Erziehung in der Kindheit und allgemeiner Aufklärung. Es soll ein geistiges, kulturelles gesellschaftliches Klima geschaffen werden, dass eine Wiederholung verhindert. „ Ein Klima (...) in dem die Motive, die zu dem Grauen geführt haben, einigermaßen bewusst werden“ (ebd. 88). Als gleichsam übergeordnetes Lernziel formulierte Adorno „Autonomie“ als „die einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz“. Er unterscheidet die Autonomie in drei Kategorien. In die „Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen“ (ebd. 90). Adorno verweist dabei auf die Erziehungswissenschaften, die sich darum zu bemühen haben, eine Umsetzung seiner Forderung zu verwirklichen. Er könne sich „nicht anmaßen, den Plan einer solchen Erziehung auch nur im Umriss zu entwerfen“ (ebd. 88).

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Grundschule "Tintenklecks" in Mügeln, 2013