Methodenwahl
Kinder wachsen nicht innerhalb eines entwicklungspsychologisch abgesteckten Idealrahmens auf, d.h. bezogen auf das Thema, dass überwiegend eine Erstbegegnung mit dem Holocaust von unfreiwilliger Konfrontation durch Medien, Gesellschaft und Familie gekennzeichnet ist. Sie findet in der Regel im pädagogisch ungeschützten Raum abseits eines pädagogisch betreuten Lernprozesses statt. In einem Raum, „in dem durch die unterschiedlichsten Kanäle und Genres korrekte Informationen und Wissen ebenso zugänglich sind wie manipulative Geschichtskonstruktionen, Halbwahrheiten und Stereotype. (Mkayton 2011)“

Zur Verdeutlichung unseres Handlungsansatzes sei im Folgenden nochmals auf das „Drei-Punkte-Modell“ von Abram/Mooren verwiesen:

- Die Förderung von Wärme: Ein Klima von Geborgenheit, Sicherheit und Offenheit.
- Die Förderung von Empathie: Sich in andere Menschen und Situationen hinein versetzen zu können.
- Die Förderung von Autonomie: Die Fähigkeit zum Nachdenken, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen.

Die Bedeutung von Erziehung nach Auschwitz liegt also in der Förderung von Empathie und Wärme. Als Empathie beschreiben sie die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können und Wärme formulieren sie als eine „Atmosphäre von Geborgenheit, Sicherheit und Offenheit“ (Abram 1998: 2). Die Kinder sollen sich mit anderen Menschen und anderen Situationen beschäftigen, sie sollen lernen zu reflektieren, nachzudenken. Sie sollen sich der „genannten Kälte bewusst werden, Hass und Aggressionen in sich selbst nicht gedankenlos an anderen Menschen oder Dingen“ ausleben, sich selbst verwirklichen und nicht automatisch der Mehrheit folgen. Diese Kriterien fassen Abram und Mooren unter Autonomie zusammen. „Erziehung nach Auschwitz bedeutet, Autonomie zu fördern, das heißt, die Fähigkeit zum Nachdenken, zur Selbstbestimmung, zum Nonkonformismus.“(Abram 1998: 3) Da nach diesem Modell „Erziehung nach Auschwitz“ Förderung von Autonomie bedeutet und dessen Kern in der Bildung von Wärme und Empathie liegt, eignet sich als Methode für die Behandlung des
Thema „Holocaust“ in niedrigen Altersstufen, das biografische Lernen. Im biografischen Lernen ist das „Erzählen“ ein wesentliches Moment, durch den sich Kinder auf konkrete und detailreiche Beschreibungen und Geschichten einlassen können. Diese Methode ermöglicht es ihnen, sich mit den betroffenen Personen zu identifizieren und zu solidarisieren. „Identifikationsfiguren sind wichtig, weil sie einen gefühlsmäsigen Zugang eröffnen und das Interesse am Thema über einen längeren Zeitraum hinweg tragen. Das Kind identifiziert sich dabei mit einem Bild, das Ähnlichkeit mit eigenen Erfahrungen bietet und ihm so ermöglicht, das Empfinden und Denken eines anderen zu verstehen und nachzuempfinden (Beck 1996).“